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Jenshealth

1. November 2007 - Filed under: Svens Shanghai-blog — Jens Clasen @ 15:01

Arbeitsplätze

Viele kleine Details habe ich nun schon beschrieben, die aus westlicher Sicht merkwürdig und teilweise auch unsinnig erscheinen. Aber manchmal ändert sich die eigene Sicht auf bestimmte Dinge, durch Gewohnheit.

Ich habe hier bisher selten in Geschäften und Restaurants den Service erlebt, den ein Deutscher erwarten würde. Aber dieses liegt sicher keinesfalls an unfreundlichen Chinesen, sondern vielmehr an der kulturellen Gewohnheit. Seitdem ich mich beispielsweise in meinen Stammläden immer freundlich verabschiede, werde ich (als einziger) auch genauso freundlich verabschiedet oder sogar von Mitarbeitern auf der Straße gegrüsst – alles anscheinend eine Frage der Gewohnheit!

Ich könnte auch über viele kuriose Arbeitsplätze erzählen, wie bspw. dem von einem jungen Mädchen, das Tag-ein-Tag-aus neben einer Softeismaschine steht, die im 12-Sekunden Takt einen kaum 5 Minuten aushaltbaren Kinderslogan von sich gibt. Oder aber von den Pappesammlern, die es vor jedem Hochhaus-Compound (typischer Weise haben mehrere Hochhäuser zusammen einen Haupteingang mit Pförtner) gibt. Diese warten tagsüber an der Straße mit kleinen Rollwagen auf die vom Häuser-Compound verbrauchte Pappe, die sie dann abends vermutlich irgendwo gegen Bezahlung abgeben.

Aber es gibt auch „ganz besondere“ Arbeitsplätze, durch die ein „ganz besonderen“ Kunden-Service entsteht. In meinem Supermarkt ist eine Rolltreppe, auf der man mit seinem Einkaufswagen hoch- bzw. runterfahren kann. Nachdem ich diese zweimal benutzt habe und beim dritten mal zielstrebig auf die Rolltreppe zuging, kamen mir dieses Mal die Einkaufswagen entgegen!? Aus einem mir zunächst unerklärlichen Grund, ging heute nicht die rechte sondern die linke Rolltreppe aufwärts. Oben angekommen wurde mir dann aber auch schnell klar warum!

Es liegt an dem „besonderen Service“, den ein Supermarkt-Mitarbeiter bietet, nämlich immer mit einer Hand den von der Rolltreppe anfahrenden Einkaufswagen kurz hochzuziehen wenn er oben angekommen ist. Dieses ist insbesondere für ältere Leute wegen der typischen kleinen Kante am Ende einer Rolltreppe sehr hilfreich. Dieser Mitarbeiter hat immer einen weißen Handschuh an, mit dem er kurz am Wagen zur Unterstützung zieht. Manch einer mag sich nun fragen, warum mal die rechte und mal die linke Rolltreppe nach oben fährt?

Ich denke es liegt ganz einfach daran, den Mitarbeiter zu entlasten. So hat der die Belastung abwechselnd im rechten und linken Arm – denn er war bisher immer alleine, wenn ich einkaufen war.

Die schon angesprochenen „ABM – Made in China“ führen hier zu einem ganz besonderen Kundenservice. Ganz nebenbei führen die vielen Arbeitsplätze mit viel zu wenig Arbeit und endlos vielen gelangweilt herumstehenden Mitarbeitern (und vermutlich geringem Verdienst) aber dazu, dass es überraschend wenige Bettler gibt und die Stadt auch nicht gerade über das normale Großstadt-Niveau hinaus für seine Kriminalität bekannt ist.

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