Eines sollte man in China ganz schnell lernen, um nicht sofort in die ersten Fettnäpfchen zu treten. Geschenke gehören zur Volkskultur und sind Teil einer jeden Einladung oder die passende Antwort auf einen Gefallen!
Soweit, so schnell gelernt, aber „was“ ist für „wen“ und vor allem „wann“ angebracht? Hierbei gilt es für mein Verständnis nicht alles richtig zu machen, sondern so wenig wie möglich falsch zu machen. Aber der Reihe nach!
Zu einer Essenseinladung gehört nicht nur ein „Rückspiel“ in Form einer Einladung, welche die vorherige toppt oder zumindest eine speziellere Note hat, sondern auch mit einem mitgebrachtem Geschenk kann man nichts falsch machen. Naja, falsch machen kann man schon so einiges – ein paar Beispiele gefällig?
- Alkohol für Frauen – absolutes „no go“
- Ein Buch oder etwas weißes (geschweige denn ein weißes Buch) – beides wird mit dem Tod in Verbindung gebracht
- Das Geschenk ohne eine formschöne Tüte (aber Vorsicht, auch hier ist nicht jede Farbe für jeden geeignet) zu übergeben
- In die Tüte/das Geschenk (an)schauen, bevor man zu hause ist
Zu einigen Gelegenheiten ist dieser Brauch in China wirklich angebracht, denn man bekommt so immer mal ein paar heimische Spezialitäten zum kosten, und auch die Chinesen freuen sich über beispielsweise ein echtes „Flensburger Pilsener“ mit dem befremdlichen Plopp-Verschluss immer sehr. Gerade zu Geschäftsessen oder ähnlichem ist es auch sehr sinnvoll, da der Chinese sich garantiert nicht einladen lassen würde, sondern hartnäckig auf das Bezahlen der Rechnung besteht und somit das mitgebrachte Geschenk zumindest einen kleinen Ausgleich darstellt.
Im Rahmen der Universität ist dieses allerdings sehr gewöhnungsbedürftig. So ist es für meine Professorin und damit auch Prüferin selbstverständlich, dass ich regelmäßig Geschenke wie beispielsweise aus Deutschland importierte Schokolade oder den typischen kitschig chinesischen Obstkorb (siehe Bild) mitbringe. So werden auch 20 Euro Geschenke nur eines kurzen und selbstverständlichen Blickes gewürdigt. Meine Vorgängerin hat unserer Professorin zum Abschied handbemaltes Porzellan geschenkt, worauf diese ihr sagte „…du hast verstanden, was sich in China gehört.“ Das hat schon immer etwas von Bestechung, denn letztlich übt sie ja nur ihren (verhältnismäßig gut bezahlten) Job aus.
Man kann das alles natürlich auch ignorieren, aber wenn man schon ein Jahr hier lebt, sollte man zumindest die Mühe erkennen lassen, nicht alles falsch machen zu wollen. Allerdings, wer erzählt den Chinesen im Gegenzug eigentlich mal, dass „Fleischbonbons“ in der Tüte auch nicht gerade als angebrachtes Geschenk zu bezeichnen ist?

Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Chefautor von Men's Health, über Männer-