Oh, Mann! Die Initiative ist ehrbar und redlich – aber das Männermanifest der Grünen zeigt vor allem eines: Der moderne Mann, zumal der deutsche, tut sich schwer mit der Rollenfindung im Geschlechterpool. Die meisten der aufgestellten Forderungen – neue Arbeitszeitmodelle in Unternehmen, mehr Möglichkeit für aktive Teilnahme am Familienleben, Ende der klassischen Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau, bessere gesundheitliche Prävention für Männer, neue Wege gegen die Bildungsmisere der Jungen, mehr Männer in „klassischen“ Frauenberufen – sind ebenso zeitgemäß wie opportun.
Dagegen kann vor allem keiner etwas haben, der ohnehin grün wählt – und die anderen juckt diese Initiative wohl denn auch kaum.
Was umso mehr ins Auge fällt ist der rhetorische Eiertanz, den die Unterzeichnenden in ihrem angeblichen Männermanifest aufführen: Da ist die Rede von einem „tief sitzenden Geist der geschlechtlichen Polarität“, von dem unsere Gesellschaft „durchflutet ist“. Wie sollen denn große Teile dieser Gesellschaft diesen Kauderwelsch verstehen? Geht es da um so ’ne Art Gespenster-Tsunami?
Der Kernsatz des Manifests ist denn auch ein Paradebeispiel verquasten Politikersprechs: „Wir wollen nicht länger Machos sein müssen, wir wollen Menschen sein!“ Da wird jede direkte Schuldzuweisung vermieden, indirekt aber doch die Behauptung aufgestellt, man „müsse“ Macho sein. Sagt wer? Die Frauen bestimmt nicht.
Und ein richtiger Macho würde die Forderung nach mehr Männern in Frauenberufen auch wahrscheinlich nicht unterstreichen, geschweige denn unterschreiben. Es kann nur gemutmaßt werden, was mit dieser Schuldverwässerung gemeint sein soll. Vielleicht wäre der folgende Satz ehrlich gewesen: „Wir haben es satt, dass wir unser Rollenbild nicht mehr selbst bestimmen können. Wir wissen einfach nicht, wer wir sind und was wir sollen.“ Nur dann wäre auch die ehrliche Frage erlaubt gewesen: Bei wem beschwert ihr euch eigentlich?
Liebe Grünmänner, ihr und euresgleichen sitzt doch an den Hebeln, dann ändert doch was! Hier sollen gleich zwei Dinge verschleiert werden:
- Es gibt noch sehr viele Männer, die sehr wohl sehr gerne Machos sein müssen wollen.
- Für die können und wollen die Grünen aber nicht sprechen – sie aber auch nicht verprellen.
Hinter dieser Verquasulierung, die unglücklicherweise auch zum Titel des Manifests gekürt wurde, verschwinden die hehren Ansprüche der Unterzeichner.
Die grünen Manifestierer stecken aber auch in einem Dilemma: Entweder sie gestehen sich ohne westerwell’sches Geschrei ein, dass man selbst Mitverursacher der bestehenden Zustände ist und macht sich heimlich still und leise an die Veränderung – oder man wagt den Tabubruch und ruft explizit den Frauen zu: „Ihr wollt uns doch gar nicht anders! Ihr steht doch drauf, wenn wir die Kohle nach Hause bringen, dicke Autos fahren und bis abends auf der Arbeit rumhängen.“
Das Problem: Mit beidem lässt sich kein Wahlkampf machen, und der tobt derzeit für die Grünen in NRW, auf deren Website das Manifest denn auch veröffentlicht wurde. Ob sich damit allerdings im Machorevier Ruhrpott neue Wählerschichten erobern lassen, ist mehr als fraglich.
Darum hier unser Appell von Männerrechtler zu Männerechtler: Liebe Grüne, bleibt bei euren tollen Zielen – aber setzt sie einfach ohne Gebrüll um, wenn ihr mal wieder an einer Regierung beteiligt werdet. Tut das, was ihr so gut könnt: Marschiert durch die Institutionen und rettet die Männer vor sich selbst.
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Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Textchef von Men's Health, über Männer-