Sind Sie eitel? Geradezu selbstverliebt? Gar ein Narzisst? Vorsicht! Das kann schnell zu Aggressionen gegen heterosexuelle Frauen führen. Das legt eine US-Studie nahe, die uns gestern auf den Tisch flatterte.
Die Untersuchung der Kent State University offenbarte, dass sich Feindseligkeit narzisstisch veranlagter Männer in erster Linie gegen Hetero-Frauen richtet, also deutlich mehr als gegen hetero- oder homosexuelle Männer oder auch gegen lesbische Frauen. Letztere fanden die Narzissten sogar ganz nett. Schwule Männer hingegen waren ihnen mehr oder weniger gleichgültig.
Überrascht uns das?
Also, das mit den Lesben nur bedingt – es wäre zu klären, welche Vorstellungen von “Lesbisch-Sein” hier bei den Probanden vorherrschten. Finden sich in den Köpfen die Bilder von Gleitmittel schlürfenden Sappho-Girls, wie sie riegenweise durchs Internet geistern, ist es schon nachvollziehbar, dass die Männer diesen gegenüber eine “positive Haltung” einnehmen. Ob nun narzisstisch oder nicht. Nein, ernsthaft: Dieses Ergebnis ist sicherlich mit der Haupterkenntnis eng verbunden, dass heterosexuelle Narzissten vor allem heterosexuelle Frauen anfeinden.
Dass sich “feindselige Gefühle bei narzisstisch veranlagten Männern in den meisten Fällen gegen heterosexuelle Frauen richten” ist küchenpsychologisch rasch erklärt: Hassen, was man(n) liebt. Ein uraltes Dilemma, meist darin begründet, dass der Liebende nicht bekommt, was er begehrt – im Allgemeinen und/oder im Speziellen – nichtsdestotrotz aber die Macht spürt, die die unerfüllte Liebe oder Begierde über ihn hat. Das kann so einen ausgewachsenen Narzi schon fuchsen. Da kriegt er einen Hals auf seine vergeblich Angebetete – und verhältnismäßig schnell auf deren ganze Clique. Entsprechend gering ist allerdings auch die Gefahr, dass sich sein hassliebender Blick auf eine lesbische Frau richtet – sie entspricht schlicht nicht seinem “Beuteschema”.
No surprise so far.
Sehr überraschend ist allerdings, dass diese Untersuchung unter “104 Studenten einer großen amerikanischen Universität im Mittleren Westen, mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren” als repräsentativ für die Männer der Welt angesehen wird. Ist der Durchschnittsamerikaner nicht vielleicht einen Tick narzisstischer als Menschen aus anderen Teilen der Welt? Neigen junge Männer nicht grundsätzlich eher zu übersteigerten Gefühlsäußerungen – seien es nun Frauenhass oder narzisstische Tendenzen? Und haben die Begriffe Hass und Aggression nicht auch in den USA eine etwas andere Bedeutung als etwa in Nordeuropa? Spielen die Amis nicht auch Football? Und spielen die nicht anderswo auch gern mal Krieg?
Also, lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie einen Hass auf Frauen haben, nur weil so ein paar US-College-Boys ihre Hormone nicht im Griff haben.

Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Chefautor von Men's Health, über Männer-