Nehmen wir einmal an, Sie würden online auf Partnersuche gehen. Wonach schauen Sie?
Okay. Jetzt mal von den schönen… Augen abgesehen?
Wie eine Untersuchung der Uni Bremen gerade zeigte, fahnden Frauen bei der Online-Partnersuche vor allem nach Ärzten, Architekten und Psychologen. Männer hoffen bei der Online-Partnersuche auf eine Juristin, Flugbegleiterin oder Ärztin. Bei den Vorlieben der Männer deutet sich die klare Tendenz an, die Emanzipation der Frau auch bei der Online-Partnersuche anzuerkennen und mitzutragen. Keine Hausfrauen werden da gesucht, keine Sekretärinnen oder Stripperinnen. Ärztin und Juristin sind angesehene, akademische Vollzeitberufe. Einzig die Flugbegleiterin macht mir hier ein wenig Sorgen – aber vielleicht kennen die ganzen Unternehmer und Unternehmensberater mit den Frequent-Flyer-Karten gar keine anderen Frauen mehr…
Bei Frauen gilt offenbar: Hauptsache, der Beruf des Mannes ist angesehen – und bringt viel ein. Der Versorger steht offenbar bei der Online-Partnersuche hoch im Kurs. Wie emanzipiert! Oder geht es den vielen frei herum laufenden Akademikerinnen um einen Partner “auf Augenhöhe”? Dann ist die Frage, warum er das nicht ohne Uni-Abschluss sein kann. Im übrigen, von wegen Status und Verdienst: Junge Ärzte schuften sich oft im schlechtbezahlten Dauerdienst in Krankenhäusern kaputt, auch viele Architekten ackern sich bei schlechter Bezahlung in nächtelanger Projektarbeit bereits in jungen Jahren ins Burnout. Psychologen verdienen sich vielleicht an jungen, ausgebrannten Ärzten und Architekten dumm und dusselig – aber nur, wenn sie das Glück einer eigenen Praxis haben, wofür es aber kaum noch Zulassungen gibt. Sorry, aber: Eine Frau, die einen Besserverdienenden sucht, sollte sich eher bei Waffenhändlern und Fußball-Profis umschauen.
Was mich am meisten wundert ist, dass bei der Online-Partnersuche immer noch so viele auf den Beruf achten. Klar, nicht jede(r) möchte sich mit einem Waffenhändler oder einer Pharma-Lobbyistin einlassen – aber geht es nicht darum, dass man vor allem in der Freizeit ähnliche Interessen hat? Die wenigsten Paare verbringen doch die Arbeitszeit miteinander. Wenn ich jemanden “auf Augenhöhe” suche, muss er das doch vor allem im täglichen Umgang sein. Es geht scheinbar doch nur um Status und Geld. Dabei ist es so viel wichtiger, einen glücklichen, ausgeglichenen Menschen an seiner Seite zu wissen und mit ihm – abseits der Arbeit – eine schöne Zeit zu haben… (Schnief.)
Okay, wenn ich noch einmal drüber nachdenke: Ein glücklicher, ausgeglichener Waffenhändler ist auch irgendwie komisch.

Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Chefautor von Men's Health, über Männer-