Sind Sie einsam?
Das ist nicht gut.
Das ist gar nicht gut.
Eine Studie hat nämlich jetzt wissenschaftlich nachgewiesen, dass einsame Menschen nicht nur unglücklicher sind als sozial besser Vernetzte – sie leben auch ungesünder. Sie sterben früher. Es ist gut, dass das mal wer untersucht hat, denn die wachsende Einsamkeit insbesondere älterer Menschen ist eine der traurigsten Entwicklungen der so genannten Zivilisation. Es ist auch wichtig, dass eine solche Untersuchung PR-technisch gepusht und die Nachricht von der zersetzenden Kraft des Alleinseins in alle Kanäle gedrückt wird. Aber müssen sich die Autoren solcher Studien – oder deren PR-”Experten” – zu diesem Zweck immer solche “kernigen Vergleiche” rausleiern? So behaupten die Studienmacher:
- Einsamkeit ist so schädlich wie 15 Zigaretten am Tag
- Einsamkeit schadet mehr als keinen Sport zu treiben
- Einsamkeit ist doppelt so schädlich wie Fettsucht
- Einsamkeit ist so schädlich wie Alkoholmissbrauch
Was soll der PR-Ungeübte daraus ablesen? Möglichkeiten:
“Ich treffe mich jetzt mit meinen drei ebenfalls kettenrauchenden und übergewichtigen Kumpels auf eine Runde Rumsitzen, und das nennen wir dann Wellness?”
“Im Hotel quatsche ich lieber eine Stunde den Barkeeper voll als in den Fitnessbereich zu gehen?”
“Die Zigarettenwerbung hat doch irgendwie Recht. Ich stelle mich jetzt ganz gesellig zu den Kollegen auf die Qualmer-Terasse und schnorre mir eine, bin ich wenigstens nicht einsam?”
“Hach, was soll’s, trinke ich halt auch ein paar Dutzend Schnäpse, ist doch eine nette Runde.”
Wo bleiben die Tipps zur Verbesserung der Situation? Wo das Feingefühl? Das Problem bei Einsamkeit ist doch: Der Betroffene hat es nicht selbst in der Hand, seine Situation zu ändern. Erste Schritte zum Abnehmen oder beim Rauch-Stopp kann jeder Einzelne selbst unternehmen – man könnte sogar sagen, er muss. Aber einfach so auf andere zugehen, wenn man sehr einsam ist, und das vielleicht schon lange, das geht eben nicht. Und was ist, wenn Leute einsam sind, eben weil sie rauchen und saufen? Oder wenn sie rauchen und saufen, weil sie einsam sind? Wie sollen die sich fühlen, wenn sie diese Sätze lesen? Spätestens bei dieser Überlegung erscheinen solche Vergleiche total verfehlt.
Nein, also echt. Prima angefangen, am Ende vergeigt.












Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Chefautor von Men's Health, über Männer-