Das Elterngeld ist unnütz, schreibt der Spiegel. Also, ich bekomme es selbst gerade – und finde es ganz praktisch. Ich brauche es sogar, verdammt! Für Windeln, Brei-Gläschen, Milchpulver und Gummisauger. Denn ich lümmele ganz sicher nicht in irgendwelchen Kneipen rum und spiele mit der Carrerabahn wie die Klischee-Daddys im Nachrichtenmagazin. Ich leiste 7 Monate Dienst am Kind, jawoll. Und das schon zum zweiten Mal.
Begründung für das vernichtende Spiegel-Urteil: Milliarden werden investiert, trotzdem werden immer weniger Kinder geboren.
Äh, sorry: Mit der Begründung könnte man auch
- das Kindergeld streichen
- die Spielzeugindustrie abschaffen
- alle Schulen schließen
Es mag eines der Ziele gewesen sein, das Elterngeld einzuführen, das Kinderkriegen attraktiver zu machen. Aber ging es nicht auch darum, Eltern grundsätzlich besser zu stellen? Darum, Väter mehr in die Familien einzubinden? Das hat doch an vielen Stellen einigermaßen geklappt. Ich wäre für das alte Erziehungsgeld wahrscheinlich nicht ein halbes Jahr ausgestiegen – und viele andere Väter sicher auch nicht.
Es hat vielleicht nicht geklappt, sich beim Volk mehr Babys zu kaufen – wäre doch auch irgendwie seltsam, wenn das so einfach wäre. Aber der Einstieg in eine familienfreundlichere Gesellschaft hat ganz gut funktioniert. Kinder sind wieder ein Thema in dieser Gesellschaft, sie sind “hip”, Väter sind es plötzlich auch. Und es wäre ganz verkehrt, diesen Schritt jetzt aus Gründen der Etat-Opportunität wieder rückgängig zu machen. Ein wenig sparen vielleicht – und das bitte nicht nur bei den Ärmsten – aber komplett streichen? Nein.
Im übrigen hat es dieses Land verdammt nötig, weiterhin Anreize für Möchtegern-Eltern zu schaffen. Die Signale aus der Politik lassen einem nämlich die Lust daran vergehen. Oder glauben Sie etwa, die Menschen in Gorleben denken zur Zeit ans Kinderkriegen?












Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Chefautor von Men's Health, über Männer-