powered by

Warum die ewige Jugend nicht nach faulen Eiern riechen sollte

Der Mensch wird immer älter, und Studien sagen da geht noch einiges mehr. Etwa mit Schwefelwasserstoff, dem stinkenden Gas aus faulen Eiern. Das soll angeblich den Alterungsprozess ausbremsen. Na, lecker.

Da überrasche ich doch mal mit Studienergebnissen aus meiner eigenen Forschung. Gemeinhin nehmen wir ja an, dass der Alterungsprozess graduell verläuft. Das heißt, in einem Jahr altern wir um ein Jahr, an einem Tag um einen Tag und in einer Stunde um eine Stunde. Das ist, mit Verlaub, völliger Quatsch. Meine Untersuchungen zeigen, dass unser tatsächliches Alter nur das Ergebnis eines komplizierten Rechenverfahrens ist. Es gibt Tage, die altersmäßig auf die erwähnte graduelle Weise verlaufen – aber diese Tage sind sehr selten. Denn es gibt Ereignisse, welche die Alterung extrem beschleunigen. Dazu gehören bekanntermaßen stressige Arbeitstage, aber auch der klassische Vollrausch.

Meine Forschungen haben mir gezeigt, dass eine Nacht in der selben Wohnung mit einem grippekranken Kind einen erwachsenen Mann um etwa 8 Jahre altern lässt. Sind es zwei grippekranke Kinder, potenzieren sich Schlafentzug und Stressaufkommen auf eine Alterung von ungefähr 20 Jahren. Habe ich am Abend vorher – noch in Erwartung einer ruhigen Nacht – drei Bier getrunken, bin ich am nächsten Morgen um 30 Jahre älter. Sagt mir am folgenden Tag mein Chef, dass das Redaktionssystem abgestürzt und meine sämtliche Arbeit vom Vortag vernichtet ist, verdoppelt sich die bisherige Alterung noch einmal um das 6-fache… äh… Manchmal sehe ich auch beim Fußball schon nach einer einzigen missglückten Grätsche ziemlich alt aus. Oder neulich, als ich alleine drei 30-Kilo-IKEA-Pakete in einen 20-Kilo-PKW wuchten musste. Innerhalb weniger Minuten war ich um Monate gealtert.

Es muss natürlich auch verjüngende Faktoren geben, sonst wäre ich nach den diversen Kinderkrankheiten, Bier-Exzessen und Computerabstürzen der letzten 5 Jahre längst ein Greis. Tatsächlich sehe ich aber nur 10 Jahre älter aus als vor 2 Jahren. Es fällt schwer die Verjüngungselixiere zu benennen. Ich weiß nur, dass nach einer durchwachten Kinderbettnacht zwei Stunden Schlaf die Alterung um 600 Jahre auf 30 Jahre verringern, und dass durch einen Moment der Ruhe und eine Tasse Kaffee nach einem arbeitsreichen Vormittag im Büro aus 50 Jahren Altern 5 werden. Eine Minute Durchatmen macht einen 1-stündigen 20-Jahre-Streit beinahe komplett wieder wett.

Es muss noch mehr dieser Faktoren geben, als wir alle vermuten. Sie lauern irgendwo, versteckt in den Nischen unseres Alltags. Es wäre schön, wenn sie sich offener zeigen könnten. Nicht weil ich sie aufsaugen und in mich hineinfressen wollte – schließlich will ich mich auch nicht zurück ins Kleinkindalter zeitbomben. Dann hätte ich ja die Kinderkrankheiten, oder lande durch eine Tasse Kaffee altersmäßig womöglich im Minusbereich. Nein, ich wünschte, ich könnte die verjüngenden Momente besser erkennen, sie tiefer wahrnehmen, um sie mehr zu genießen. Ich wüsste auch sofort, was ich tun könnte, wenn ich wieder einmal bei IKEA schwitzend vor meinem Auto stehe und versuche, Kartons umzugrätschen. Und ich könnte mir und Ihnen das Experimentieren mit Stinke-Eier-Gas ersparen.

Diesen Artikel Bookmarken bei: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • del.icio.us
  • Bloglines
  • Blogosphere News
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • MySpace
  • TwitThis
  • email
  • Live-MSN
  • Print