Warum „miteinander schlafen“ viel mehr und viel schlimmer ist als ein kurzer Liebesakt

Wenn eine Frau mir anbietet, mit ihr zu schlafen, renne ich schreiend davon. Das hat nichts damit zu tun, dass ich Angst hätte vor dem, was sie von mir will. Eher befürchte ich, dass sie nicht weiß, wovon sie da redet. Schließlich bedeutet „miteinander schlafen“ weit mehr, als einfach nur einen Geschlechtsakt zu vollziehen. Im Grunde bezeichnet diese Redensweise viel eher das, was auf den Sex folgt – eben das miteinander Schlafen. Und da fangen die Probleme erst an.

Meistens versauen einem Dinge die ganze so schön begonnene Nacht, an die man im ersten Taumel der Gefühle gar nicht denkt. Zum Beispiel die leichtfertig akzeptierte Offerte „Komm unter meine Decke!“ Vorsicht, kann ich da nur sagen: Normalerweise ist nur ein Deckbett vorhanden, und das hat fatale Folgen. Kaum hat die Liebste ihren nichtsahnenden Gast in die weiche Höhle gelockt, kann sie ihm das wärmende Asyl ebenso schnell wie gnadenlos wieder entziehen. Einmal eingeschlafen, da dreht sie sich, den Deckenzipfel unter den Ellenbogen geklemmt, vom Rücken auf den Bauch und schon liege ich, nur mit Boxershorts bekleidet, in der Kälte der Nacht. Keine Chance, ein Stückchen des Plumeaus zurückzugewinnen. Das gerade noch so zarte, warme, weiche Wesen entwickelt im Schlaf ungeheure Kraft. So bedecke ich mich spärlich mit einem Kissen, oder mache mich in der fremden Wohnung auf die Suche nach etwas Wärmendem zum Anziehen. Wenn sie dann am nächsten Morgen über mich lacht, wie ich da in einem zu kleinen Sweatshirt mit Snoopy-Aufdruck liege, ist der Tag für mich schon gelaufen.

Gesetzt den Fall, die mir beischlafende Schönheit ist nicht an der Deckenklauenseuche erkrankt, und ich habe deshalb tatsächlich die Aussicht auf eine Nacht im Warmen, so heißt das noch lange nicht, dass ich auch schlafen werde. Das Arrangement der Körper unter dem einen Deckbett ist ja‘ nicht minder kompliziert. Alle Frauen, die ich kennengelernt habe, wollten stets von mir gewärmt werden: „Leg bitte Deinen Arm um mich!“ Eigentlich ein ganz normaler Satz – aber ich bin damit einfach schon zu oft geweckt worden. Und bei aller körperlichen Nähe ist es der Frau auch wichtig, nicht eingeengt zu werden. „Nein, nicht so.

Du klammerst.“ Es endet immer auf dieselbe Weise. Wenn ich mich all ihren Wünschen gemäß hinlege, dann lande ich auf dem Rücken und sie halb auf mir, eins ihrer Beine wie beim Judo über meine geworfen, das Kinn in meinen Rippen. Das wäre noch in Ordnung, auch wenn ich mich nicht rühren kann, ohne Sie aufzuwecken. Nur, ich kann auf dem Rücken ums Verrecken nicht einschlafen. Die allseits beliebte Löffelstellung, bei der sich die Frau mit dem Rücken an den Bauch des Mannes kuschelt, hat ebenfalls ihre Risiken. Was in den ersten zehn Minuten noch wie die Lösung aller Nachtlagerprobleme erscheint, wird spätestens dann zum Alptraum, wenn ich meinen Arm nicht mehr spüre. Den Arm, der unter ihrem Kopf liegt, weil es sonst keinen Platz dafür gibt. Der schläft nämlich irgendwann ein. Ein tolles Gefühl. Egal, wie ich mich jetzt entscheide, es gibt nur Regen oder Traufe. Lasse ich den Arm liegen, stirbt er ab, und die Frau verlässt mich, weil sie einen Mann mit zwei Armen will. Ziehe ich ihn weg, wacht sie auf und mault. Wenn ich ihr dann sanft erzähle, dass mein Arm leider ein- geschlafen ist, dann hält sie mich natürlich für ein Weichei.

Angenommen für den Arm findet sich noch ein Platz, an dem er die Nacht bequem übersteht, so muss das noch lange nicht für den Rest von mir gelten. Liegt sie mit dem Rücken zu mir, habe, ich auf jeden Fall – mal die weibliche Durchschnittsgröße von l ‚65 Metern vorausgesetzt –  eine Ladung Haare im Gesicht. Ob nun Pagenschnitt, halblang oder Rausche- mähne – ein paar Mundvoll Frisur zu bekommen, das ist mir immer gewiss. Sicher, ich könnte mir meine Partnerinnen vielleicht besser aussuchen. Aber ich stehe nun mal nicht auf Frauen mit Glatze.

Selbst wenn wir uns auf eine angenehme Position einigen, ist der Flug ins Reich der Träume noch lange nicht gebucht. In intimster Nähe liegen wir aneinander gekuschelt, sie sagt „Ich hab’ dich so lieb!“ – und reibt mir mit ihrer kratzigen Wollsocke über die Wade, dass es nur so knistert. Das Gefühl werde ich die ganze Nacht nicht mehr los. Oder die Geschichte mit den Pyjamas. Nur weil irgendwer in Hollywood auf die bescheuerte Idee gekommen ist, dass Pärchen sich einen Schlafanzug teilen – sie das Oberteil, er die Hose –, und meine Süße amerikanische Liebesfilme geradezu inhaliert, musste ich mir einen Pyjama kaufen. Jetzt ist die junge Dame weg, das Oberteil hat sie mitgenommen, und ich muss mich fragen: Was macht man mit einer einzelnen Pyjamahose? Bleibt die Hoffnung, dass mir eine weitere Anhängerin solcher Filme über den Weg läuft, die das Hemd vom letzten Freund mitbringt. Letztlich kann sie sich das aber sparen, denn jetzt mache ich diesen Quatsch nicht mehr mit. Von nun an schlafe ich nur noch im Schlafsack. Den habe ich überall dabei. Ich werde 1. nie wieder frieren, 2. bei der Löffelstellung immer vorne liegen, und wenn mich 3. doch wieder eine auf den Rücken bugsiert, fange ich unerbittlich an zu schnarchen. Das habe ich wochenlang trainiert. Wenn ich mein ganzes Können aufbringe, dauert es nur Sekunden, bis sie mich auf den Bauch dreht. Dann bin ich selbstverständlich wieder still und freue mich aufs gemeinsame Aufwachen. Darauf will ich bei alledem ja nicht verzichten.



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