Da bin ich doch gerade fast vom Stuhl gefallen:
In Japan wird jetzt eine Pille gegen das Fremdgehen erforscht. Es ist ein Breitband-Antibiotikum namens Minocyclin, das bereits länger bei Akne, Infektionen der Atemwege und Geschlechtskrankheiten verschrieben wird. Die japanischen Forscher haben nun festgestellt, dass sich männliche Probanden unter der Einwirkung von Minocyclin weniger vom guten Aussehen irgendwelcher Frauen beeindrucken ließen und viel mehr darauf achteten, ob diese vertrauenswürdig seien. Die Tabletten verbesserten also angeblich das Urteilsvermögen der Männer in Bezug auf Frauen. Dies könnte verhindern, so die Wissenschaftler, dass verheiratete Männer auf Frauen hereinfielen, die sie mit Hilfe ihres attraktiven Äußeren nur in die Sex-Falle locken wollten, um sie hinterher finanziell auszunehmen.
Was mir dazu alles einfällt.
Erstens stellt sich die Frage, wie moralisch vertretbar es ist, einem Mann nur aus Paranoia, Misstrauen und/oder Eifersucht ein hochpotentes Tripper-Medikament zu verabreichen, zu dessen bekanntesten Nebenwirkungen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Schlafstörungen gehören. Oder wie vertretbar es ist, Männer aus diesen Gründen überhaupt irgendwelche Drogen einzutrichtern. Man stelle sich diese Überlegung mal umgekehrt vor. Apropos:
Zweitens frage ich mich, warum dieser Versuch nur mit Männern durchgeführt wurde. Gehen Frauen nie fremd? Nie, nie, nie, nie, nie? Oder liegt es daran, dass nur Frauen überhaupt so etwas wie eine “Sex-Falle” stellen können? Na, na, na, na, na?
Drittens wüsste ich gern, warum die Forscher glauben, dass sich diese angeblich aufgedeckte mentale Nüchternheit der Tablettenschlucker nur auf fremde Frauen bezieht – und nicht auf die eigene. Für diese Annahme gibt es keinen offensichtlichen Grund. Also wäre ein weiteres Resultat der Pillengabe doch wohl, dass die Männer auch gegenüber ihrer eigenen Frau wesentlich klarer und nüchterner urteilen – und sich auch von deren äußeren Reizen nicht mehr beeindrucken lassen. Die Folge wären womöglich Sätze wie: “Ja, natürlich ist dein Hintern zu dick für diese Hose.” Welche Frau möchte das?
Viertens wurde der gesamte Versuch nur mit Fotos durchgeführt. Jeder Mann weiß, dass es etwas ganz anderes ist, ob ihm eine attraktive Frau von einem Bild entgegenlächelt oder vom Platz neben ihm an der Bar. Das ist nicht nur eine Frage der Dreidimensionalität, sondern schlicht von Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein Mann, der von seiner Frau bis oben mit Minocyclin vollgepumpt wurde und darum jedes sexy Foto von Scarlett Johansson total kritisch hinterfragt, ganz anders reagiert, wenn Scarlett Johansson leibhaftig neben ihm am Tresen auftaucht und ihm eindeutige Avancen macht. Er sagt sich einfach: Was soll’s. Vielleicht ist das letzte, was er denkt, bevor er mit dem heimtückischen Scarlett-Double in die Sex-Falle sinkt: Einen Vorteil haben die Tabletten – wenn ich mir bei ihr einen Tripper einfange, muss ich wenigstens nicht zum Arzt.
Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Textchef von Men's Health, über Männer-