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Tag: Sexismus

Die Männer und die Frauen und die sagenhafte Tür des Schicksals

Seit Jahren schon bin ich der Überzeugung, dass der Dreh- und Angelpunkt im Verhältnis der Geschlechter die Tür zu einem Restaurant ist. Hier entscheidet sich alles. Hält der Mann die Tür für die Frau auf, ist er ein Gentleman – aber er sagt damit auch: Ich traue dir nicht zu, diese Tür allein zu öffnen, weil du nur eine schwache Frau bist. Hält er die Tür bewusst nicht auf, wird er als Rüpel beschimpft, selbst wenn er es aus Gründen der Geschlechtergleichheit tut. Während der Mann also den inneren Kampf um diese Positionen mit sich austrägt, verhungern beide vor dem Lokal.

Jetzt kommt von der Northeastern University in Boston eine Nachricht, die dem Ganzen die Krone aufsetzt. In einer Studie meinen Forscher entdeckt zu haben, dass Gentlemänner, die Frauen die Tür aufhalten  oder ihnen bei Kälte ihre Jacke um die Schultern legen, in Wahrheit komplette Sexisten sind. Sie sind natürlich keine Frauenhasser – die Forscher sprechen hier von “benevolent sexism”, also wohlwollendem Sexismus. Dieser sei aber fast noch schlimmer als der feindselige Sexismus, so die Wissenschaftler, denn er sei verlogen und hinterhältig. Wohlwollend sexistische Männer sähen Frauen letztlich nur als dumme, unfähige Dinger, die im Leben allein nichts auf die Reihe kriegen. Der Wunsch dieser Männer, sich für ihre Frauen aufzuopfern, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen, sei letztlich nur Ausdruck ihrer Überheblichkeit und Arroganz. Wow. Und das alles nur, weil ein Mann einer Frau die Tür aufhält.

Also zurück zur Restauranttür. Was tun Sie – aufhalten oder abwarten? Was sind Sie – sexistischer Gentleman oder manierenloser Rüpel? Tja, da bleibt nur eine Möglichkeit: Mehr weibliche Mitbestimmung. Also sagen Sie zu Ihrer Begleiterin: “Wenn ich jetzt diese Tür für dich aufhalte, bin ich nach Ansicht namhafter Wissenschaftler ein wohlwollender Sexist. Wenn du das zulässt, setzt du dich dem Verdacht aus, dass du ein dummes, unfähiges Ding bist, das im Leben allein nichts auf die Reihe kriegt. Soll ich sie öffnen – oder machst du es lieber selbst?” Und wenn sie dann darauf besteht, dass Sie ihr die blöde Tür aufhalten, haben Sie gleich einen neuen Spitznamen für sie..

Alle reden über Sexismus – hier passiert wenigstens etwas!

Aus aktuellem Anlass befasse ich mich heute mit dieser großen, gesellschaftsrelevanten Frage: Wie soll sich ein Mann verhalten, der in einer gut gefüllten Bar auf eine Frau in einem gut ausgefüllten Dirndl trifft? Wo soll er hingucken? Der Brüderle-Blick mit anschließendem Kommentar jenseits der Geschmacksgrenze hat es ja gerade an die Spitze der Sexismus-Charts geschafft. Welche anderen Möglichkeiten bleiben Ihnen?

Zunächst ist es wichtig, dass Sie zu keiner Zeit etwas zur Kleidung der Frau sagen – oder über darin befindliche Körperteile. Wenn sich zwischen Ihnen etwas Ernsthaftes entwickelt und sie sich eines Tages beschwert, dass Sie ihr nie Komplimente über ihre Kleidung oder ihre Figur machen, sagen Sie, ich bin schuld. Soweit sind wir aber noch lange nicht. Zuerst stehen Sie mit ihr und ihrem Dirndl an der Bar. Wohin schauen Sie? Drei Möglichkeiten.

a) Suchen Sie sich einen fixen Punkt, den Sie fortwährend anstarren. Vielleicht den Fernseher über der Bar oder Ihr Glas oder Ihre Schuhe. Auch hierbei müssen Sie vorsichtig sein: Ihr Verhalten lässt Raum für Interpretationen. Möglich dass sie hinterher erzählt: “Der hat während des ganzen Gesprächs auf den Fernseher gestarrt. Dieses zur Schau getragene Desinteresse an mir ist doch nichts anderes als Diskriminierung durch Ignoranz.”

b) Schauen Sie ihr die ganze Zeit konsequent geradewegs in die Augen. Bohren Sie Ihren Blick in ihre Pupillen, bis sie müde das Haupt senkt und sagt: “Was starrst du mich eigentlich die ganze Zeit so an? Willst du mich hier irgendwie ganz plump anmachen, oder wie?”

c) Wechseln Sie mit Ihrem Blick zwischen ihren Augen, dem Fernseher, Ihren Schuhen, anderen Menschen an der Bar  hin und her - aber NICHT in ihr Dekolleté. Schauen Sie überall hin, nur nicht DAHIN. Auf die Bilder an der Wand, auf die Flaschen im Regal, auf Ihre Fingernägel. Ganz natürlich. Vielleicht klappt das. Vielleicht erzählt sie aber auch bald ihren Freundinnen: “Es war offensichtlich! Der schaute überallhin, nur um nicht genau DAHIN zu sehen. Der ist nicht nur ein Sexist, sondern auch noch feige.”

Keine perfekte Lösung dabei? Alles nicht so einfach? Eben.

Sie machen ihr Komplimente und Geschenke? Dann sind Sie ein Sexist!

Gerade habe ich von einer aktuellen Studie gelesen, in der es wieder mal darum ging, dass alle Männer Sexisten sind. Zwar wurde unterschieden zwischen einem Sexismus feindseliger Ausprägung und einem wohlwollenden – aber letztlich ist offenbar alles, was Männer irgendwie gegenüber oder mit Frauen tun, sexistisch.

Wenn Sie etwa Frauen wertschätzen und anhimmeln und ihnen eine besonders kavaliermäßige Behandlung zukommen lassen – dann nennt die Wissenschaft das “benevolent sexism”, also “wohlwollenden Sexismus”. Wenn Sie Ihrer Angebeteten Geschenke machen, ihr Blumen kaufen, sie zum Italiener einladen, ihr Komplimente machen, ihr in den Mantel helfen, ihr die Tür aufhalten… – dann ist auch das Sexismus. Die armen Frauen.

Schon klar, es geht natürlich darum, dass der Mann solche Handlungen mit sexistischen Hintergedanken vornimmt, dass er die Frau nur so lange hofiert, wie er sich etwas von ihr verspricht – und sie mies behandelt, wenn sie ablehnt. Das ist natürlich böse, böse. Aber wieso werden diese Motive jedem Kavalier sofort unterstellt? Und welche Alternative hat der Mann denn? Mies behandeln ist keine Option, nett behandeln ist nicht erlaubt – bleibt noch neutral. Soll der Mann ignorieren, dass die Frau eine Frau ist? Sie wie den Kumpel behandeln? Sie mit zum Fußball nehmen und danach ab zum gemeinsamen Bier-Atmen bis zum Hockersturz? Nein, das wollen die meisten dann doch nicht. Und insbesondere die Frauen lassen sich dann lieber beim Italiener die Tür aufhalten. Kaum entspricht der Mann freudig diesem Wunsch, wird er, was er ist: Ein ewiger Sexist. Er kommt aus der Nummer nicht heraus. Oder doch?

Machen Sie doch dieses Jahr Weihnachten den Test. Schenken Sie ihr NICHT den Unterwäsche-Gutschein, den sie sich gewünscht hat, auch KEINEN Schmuck, KEINE figurbetonte Kleidung, nur Bücher und CDs. Machen Sie ihr auch KEINESFALLS Komplimente, wie gut sie an diesem Abend aussieht. Mal schauen, wie ihr das erste nicht-sexistische Weihnachten ihres Lebens gefällt.

Sie machen viel Fitness? Dann sind Sie ein Sexist!

Männer, die viel Zeit in Fitness und Sport investieren, haben angeblich die sexistischsten Ansichten zum Thema Frauen. Weil sie bei sich selbst so sehr auf eine gute Figur achten, ist ihnen das auch bei Frauen wichtig. Das setzt Frauen unter Druck. Sie leiden.

Ein Mann ist also schon ein Sexist, wenn er Frauen mit guter Figur mag.

Und wenn ein Mann eine Frau mit guter – also in der Regel ansprechender weiblicher Figur – strikt ablehnt? Ist er dann kein Sexist? Welche Figur darf ein Mann bei Frauen mögen, ohne als Sexist zu gelten? Gar keine? Wie sieht eine Frau aus, die gar keine Figur hat? Wo finden wir die? Und was soll ein Mann sagen, wenn seine gut gebaute Frau ihn fragt: “Findest du, dass ich eine gute Figur habe?” Dass sie eine Sexistin ist – und er sich da nicht mit reinziehen lässt?

Es geht noch weiter. Als Beleg dafür, dass die Muskelmänner sexistische Ansichten vertreten, nennt die Studie Aussagen der männlichen Probanden, etwa: “Betrunkene Frauen sind schlimmer als betrunkene Männer.” Aha. Gibt es hier irgendwen, der diesen Satz noch nie genau umgekehrt auch von Frauen gehört hat? Und waren diese Frauen Sexistinnen? Hatten sie mehr Muskeln als andere Frauen? Himmel!

Ich will gar nicht leugnen, dass Männer, die viel trainieren, auch einem gewissen Körperkult frönen. Aber wie viele Frauen – ob nun Sexistinnen oder nicht – finden es denn absolut widerwärtig und ekelhaft, wenn ein Mann schlank und muskulös ist? Und wie viele Frauen möchten von ihrem Mann hören, dass er sich nicht dafür interessiert, wie ihr Körper aussieht?

Also, bevor ich weiter so einen Mist lese, gehe ich tatsächlich lieber zum Training.

 

Europarat will geschlechtsneutrale Sprache

Der Europarat wünscht sich, ermuntert durch eine Initiative aus der Schweiz, dass seine 47 Mitgliedsstaaten in ihren Behörden keine “sexistische Sprache” mehr gebrauchen.

So weit, so gut.

Was da aber wirklich auf uns zukommen könnte, zeigt ein Beispiel aus der Schweiz: Statt “Vater” oder “Mutter” soll dort nur noch “Elternteil” verwendet werden – oder noch besser einfach: “Elter”. Man stelle sich das auf Geburtstagskarten vor: “Alles Gute, liebe Elter”. Okay, kann man die zwei Mal verwenden. Und wenn beide Elter(n) zugleich auftreten, etwa bei einer Sorgerechtsvereinbarung? Dann sind sie wahrscheinlich “Elter1″ und “Elter 2″.  Was kommt noch?

- Mr. und Mrs. Bundeskanzlei statt Kanzler oder Kanzlerin?

- Bürgerinnenmeisterin statt Bürgermeister? Deutsche Fußball-Meisterinnenschaft?

- Statt “Freund” und “Freundin” demnächst also “Paar-Einheit 1″ und “Paar-Einheit 2″? Und hat da die Nummerierung nicht schon wieder Diskriminierungspotenzial? Wer erhält die 1, wer die 2? Wie heißt es bei Alleinstehenden: “Unpaar-Einheit”? Oder “Single-Unit”?

- Von Noten-Ständer und Hundeschwanz wage ich gar nicht zu schreiben.

Nee, lieber Europarat: Das war wohl nix.

Oder muss ich jetzt Europarätin sagen?

Oder Euroratte?