Forscher der Universität Stanford (USA) haben nun festgestellt, dass 4 Minuten ausreichen um sich zu verlieben. Sie protokollierten über 1.000 Speed Dates um zu dem Schluss zu kommen, dass es in 4 Minuten möglich ist, eine solch innige Verbindung zum Gegenüber aufzubauen.
Ja, nun.
Erstens sind auf Speed-Date-Abenden doch wohl vornehmlich die Verzweifelten anzutreffen, manche so verzweifelt, dass sie sich wahrscheinlich in 4 Minuten sogar in einen Klappstuhl verlieben könnten, wenn er nur “nett aussieht” und “es sich mit ihm irgendwie gut anfühlt”. Auf diesen Veranstaltungen sind einige schon verliebt, bevor sie überhaupt den Raum betreten, und suchen für die Liebe ihres Lebens nur noch die entsprechenden Statisten. Von daher kann ich diese Messungen nicht ganz ernst nehmen. Zweitens wissen wir doch längst aus anderen Studien, dass die entscheidenden Weichen fürs Verlieben bereits in Sekundenbruchteilen gestellt werden können. Dagegen sind 4 Minuten ja Spielfilmlänge!
Aber drittens muss ich mal eine Frage stellen: Was haben die eigentlich alle mit dem Verlieben? Alle tun immer so, als wäre das ein unfassbarer, welterschütternder Prozess. Ist es aber nicht, denn tagtäglich verlieben sich Millionen von Menschen – und hier wackelt nix! Verlieben ist im allgemeinen Schauspiel des Weltgeschehens in etwa so bedeutsam wie ein Maulwurf-Schnupfen. Und überhaupt: Wissen Sie, was in 4 Minuten alles passieren kann? In etwa dieser Zeit sprang Felix Baumgartner von der Stratosphäre bis zur Erde. Die Bayern haben im Champions-League-Finale 1999 in weniger als 3 Minuten den sicheren Sieg und damit eine ganze Saison verspielt. Das verheerende Erdbeben auf Haiti 2010 dauerte nur eine Minute. So viel zum Thema welterschütternd. Und da schlagen die Leute fassungslos die Hände vors Gesicht, wenn es heißt, Verlieben dauere nur 4 Minuten. Naturgewalt, von wegen.
Andererseits: Wenn ich dann mal wieder in die Augen von Scarlett Johansson sehe, dauert es nur 4 Nanosekunden – und ich bin selbst in der Stratosphäre…
Auf diesen Seiten bloggt Jens Clasen, Textchef von Men's Health, über Männer-